
Meine erste Projektreise in diesem Jahr führt mich nach Kambodscha. Wie viele andere asiatische Länder, gibt es auch hier einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch daran hat der Großteil der Menschen keinen Anteil. Viele Kambodschaner leben noch immer unterhalb der Armutsschwelle, leiden an Unternährung und die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Seit 2003 sind wir als Welthungerhilfe deshalb in dem südostasiatischen Land tätig.
Heute, an meinem ersten Tag in Phnom Penh habe ich auch das ehemalige Gefängnis Toul Sleng besucht. Die Roten Khmer verhörten hier ihre Regimegegner. Alleine an diesem Ort kamen rund 20.000 Menschen ums Leben. Ich habe das Gefühl, dieses Trauma ist überall noch spürbar, auch wenn die Menschen versuchen die Vergangenheit zur Seite zu schieben. Der Völkermord vernichtete nämlich nicht nur den größten Teil der wirtschaftlichen und intellektuellen Elite, sondern auch die traditionellen Sozialstrukturen wie die Großfamilie.
Der Familienverbund konnte früher vieles auffangen. Doch heute werden Kinder zum Beispiel zu Waisen und niemand kümmert sich um sie. Deshalb unterhält die Welthungerhilfe gemeinsam mit der kambodschanischen Nichtregierungsorganisation Mith Samlanh ein Straßenkinderprojekt in Phnom Penh. Hier erhalten die Kinder durch persönliche Betreuung, Freizeitangebote und berufsbildende Maßnahmen eine Alternative zum Leben auf der Straße. Doch das ist nicht unser einziges Projekt in Kambodscha. Den größten Teil unserer Arbeit verrichten wir auf dem Land. Denn dort lebt der größte Teil der Kambodschaner. Im Laufe meiner Reise werde ich bis fast zur laotischen Grenze im Nordosten gelangen. Dort helfen wir den Menschen, sich aus eigener Kraft eine Zukunft zu erschaffen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Kambodscha leidet immer noch unter den Folgen des Völkermordes durch die Roten Khmer. 