Die Menschen von Kanat
Toch erzählen mir, wie in der Nacht vom 29. auf den 30. September das Unglück
über das Dorf kam. In dieser Nacht zog der Typhoon Ketsana über Asien. Viele Bemühungen
der letzten Jahre gingen im Wind und Starkregen unter. Zum Glück kam im
Millenniumsdorf kein Mensch ums Leben, weil es eine rechtzeitige Warnung gab
und alle Menschen fliehen konnten. Doch das Wasser stand mehrere Meter hoch und
reichte trotz der Stelzenbauweise bis in die Häuser. Als ich in einem der
Häuser zu Gast bin, werden mir die Wasserränder an der Wand gezeigt. Bis etwa
auf halber Raumhöhe war das Wasser gestanden. Wenn man bedenkt, dass dieses
Stelzenhaus auf rund drei Meter hohen Stelzen steht, kann man sich ausmalen,
wie das Dorf ausgesehen haben muss.
Die Menschen erzählen mir,
dass sie erst nach etlichen Tagen wieder zurückkehren konnten. So lange hat es
gedauert, bis das Wasser wieder abgeflossen ist. Zurück blieb ein fast völlig
verwüstetes Dorf. Die Menschen erzählen mir von den verdreckten Brunnen, der
zerstörten Ernte, den vielen unbewohnbaren Häusern und dem verendeten Vieh.
Doch wenn ich so durch das
Dorf laufe, bin ich erstaunt. Rund ein halbes Jahr später ist dank unserer
Hilfe und tatkräftigen Arbeit der Bewohner schon viel passiert. Die Brunnen
sind wieder in Betrieb und die Bewohner von Kanat Toch haben wieder begonnen
Gemüse anzubauen, weil wir sie mit neuem Saatgut versorgt haben.
Der Typhoon Ketsana hat die Entwicklung im Millenniumsdorf zurückgeworfen, aber davon lassen wir und die Dorbewohner uns nicht entmutigen. Wir hoffen schon bald wieder auf dem Stand von vor dem Sturm zu sein, damit wir unsere geplante Arbeit weiterführen können.

Kambodscha leidet immer noch unter den Folgen des Völkermordes durch die Roten Khmer. 