(von Sabine Pfeil)
 
 
Du stehst wie eine stolze Burg

voran am Waldesrande.
Ein Bächlein rauscht an deiner Seite
in munterem Gewande.
 
Springt fröhlich über runde Steine,
gluckst, ob es lachen will,
und immer fort und ohne Rast
hält nimmer mal es still.
 
Einst war das Bächlein an der Stelle
ein Quell des Lebens für
ein Dutzend frommer Männer, die
ihr Dasein fristen hier.
 
Man nannte Zisterzienser sie,
ihr Alltag schweres Werk.
Gebete klangen mehrmals täglich
als Echo übern Berg.
 
Was heute nun verlassen liegt,
gekuschelt an den Hang,
war einst voll Leben, war erfüllt
von hellem Glockenklang.
 
Auf Ländereien vor dem Berg,
da schwangen sie die Rechen,
von früh bis spät, tagein, tagaus,
sie zeigten keine Schwächen.
 
Jahrhunderte, Generationen
sind seit der Zeit verstrichen,
und Kriege zogen in das Land –
die Menschen sind verblichen.
  
Dahingerafft von Seuchen, Kampf
in vielen langen Jahren,
macht wüst das Schicksal diesen Ort,
wo Zukunftsträume waren.
 
Heut’ steh ich vor den alten Mauern
Sacht’ schließ ich meine Augen –
und wenn ich hör’ das Bächlein rauschen,
dann möchte ich dran glauben,
 
dass Schritte ich im Traume hör’
und leise, fromme Stimmen,
sie sind lebendig, Fantasie
lässt Wirklichkeit erklingen.
 
Jahrhunderte, sie sind ein Tag,
Geschichte wird zum Sturme.
Ich hör’ den Klang der Glocke wieder
im Westwerk von dem Turme.
 
Sie ruft die Menschen aus dem Städtchen,
die halten lauschend inne –
die helle Glocke, sie erklingt
in Gottes eig’nem Sinne.
 
Mir geben die Gedanken Flügel
und ich weiß tief in mir,
dass diese längst vergang’ne Welt
und dies Gemäuer hier
 
für alle Zeit und Ewigkeiten
erhalten bleiben müsste,
damit auch noch in tausend Jahren
die Menschheit davon wüsste,
 
welch reges Treiben hier einst war,
wie müßig war das Schaffen -
und trotzdem Leben möglich war
In Frieden – ohne Waffen!