Wahrscheinlich wird euch dieser Eintrag mal wieder befremden. Mich befremdet er auch. Kann man zu sehr geliebt werden?
Nein, sollte man meinen. Wenn man aber die Striemen und Bisswunden beachtet, die (natürlich nicht wirklich) meine Waden und meinen Hals zieren, kann man seine Meinung schnell ändern. Um es kurz zu machen: Anton ist eine Klette. Zur Zeit.
Das hört sich böser an, als es gemeint ist, aber im jeweiligen Moment möchte man sich manchmal wie ein Pferd schütteln, das die Fliege verscheucht. Die kleine Liebe meines Lebens steckt mal wieder in einem jener Sprünge ("Oje, ich wachse!", Goldmann) und hat die Arbeitsanweisung wie immer auswendig gelernt. Zumindest muss er das Buch gelesen haben, wenn er nicht gerade an meinem Hosenbein hing.

Vor Wochen hatte sich dieser Sprung schon angekündigt und
ich dachte noch, das ist ja easy dieses Mal. Er wurde kuscheliger und
aufmerksamer. Zitate wie "Beim
Anziehen habe ich sie ziemlich grob hingelegt. Ich konnte das Gejammer und Gequengel
nicht mehr ertragen", "Als
er beim Wickeln so unruhig war, habe ich ihn in seinem Zimmer auf den Fußboden
gesetzt und bin rausgegangen.", "Diese Woche habe ich einmal mit ihm
geschimpft. Er war so ungeheuerlich am Kreischen, dass ich plötzlich laut und
böse rief: >Jetzt ist aber Schluss!<" oder "Als sie wieder so einen Anfall hatte, habe ich sie ins Bett
gesteckt. Ich war so müde, so durcheinander." haben mich total
schockiert.
Mein Kind anschreien? Es ist Bett stecken, weil ich genervt bin? Einfach aus dem Zimmer gehen? Die haben sie ja nicht mehr alle! Wir wissen doch, dass die Kleinen in einem Sprung stecken und dann müssen wir sie doch trösten!
Lasst es euch gesagt sein: Es kommt der Moment, da habt ihr nicht mal mehr Lust, euer Kind zu trösten! Zumindest bei mir war gestern echt dieser Punkt erreicht. Die Grenzen, von denen ich dachte, sie bereits längst erreicht zu haben, habe ich gestern nochmal mit Siebenmeilenstiefeln überschritten. Meine Herren, kann dieses Kind brüllen! Hysterisch kreischen! Mit Tränen und allem drum und dran. Mit wegbleibendem Atem. Dazu scheinbar grundlos! Und wenn man sich dann dabei ertappt, dass man ihm gerade ziemlich laut gesagt hat, er möge doch bitte die Klappe halten, erschrickt man vor sich selbst.
Die Checkliste ist erfüllt: Hängt es (mehr) an Ihrem Rockzipfel? Check. Fremdelt es? Check. Will es nicht, dass der Körperkontakt abbricht? Checkcheck. Will es mehr beschäftigt werden? Check. Schläft es schlechter? Check. Hat es Alpträume? Scheint so. Ist es übertrieben lieb? Siehe Kratzwunden. Ist es stiller? Einzige Ausnahme. Ha! Nein! Will es nicht saubergemacht werden? Allerdings! Kleiner Aal! Benimmt es sich babyartiger? Jap. Isst es schlechter? Jein. Er ist wählerischer geworden. Heute Brei? Nö, ich will Brot. Heute Brot? Nö, ich will Brei!
Jetzt frage ich mich gerade, welchen Gedanken ich bei der Überschrift hatte. Wessen Ungeduld wollte ich ursprünglich beschreiben? Meine Geduld ist ziemlich erschöpft. Seine inexistent.
In diesem Moment ist er wieder wach, nach einem ausgiebigen 20-Minuten-Schlaf, der wohl der letzte sein wird bis heute Nachmittag. Ich such schonmal ne freie Stelle, an der er sich gleich festsaugen kann.
P.S.: Wir Mamas haben nach solchen Themen immer das Bedürfnis zu betonen, dass wir unser Kind dennoch ganz ganz doll lieb haben. Ist ja eigentlich auch klar. Ihr könnt mich einbuddeln, wenn ihm was passiert. Aber wenn hier nicht bald was passiert, auch! 



Susanne zieht aufs Land. Was wie der Titel eines Pixi-Buches klingt, ist für die 29jährige vor kurzem Realität geworden: Verheiratet, die Geburt von ihrem Sohn Anton, Dorfleben... und jetzt? Über ihren Alltag zwischen Job, der Geburt und der neuen Lust auf’s Land schreibt sie in diesem Blog!
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