...existiert bei mir nicht mehr. Hier ein Beispiel anhand des vergangenen Ostermontags.

12:00 Uhr: Kulturflohmarkt mit einer Freundin, ein Berg Klamotten und ein Himmel für’s Bettchen für das Baby, Armreifen und Eisbecher für uns.

 

15:15 Uhr: Zurück in Sterne. Mein Mann und sein Kollege brüten über ihren Unterlagen im Garten, ich verdrücke mich also in die Wohnung um nicht weiter zu stören. Nachdem ich alle 384 neuen Babyteile vorgestellt habe natürlich!

15:30 Uhr: Mit übriggebliebenem Geburtstags-Muffin setze ich mich vor den Geburtstags-Laptop, nur mal kurz E-Mails prüfen. Bis dahin ist alles noch normal.

Ab hier wird es mir den Uhrzeiten schwierig, daher nur noch die Gedankensprünge einer Schwangeren (absichtlich ohne übersichtliche Fett-Schriften und Absätze, denn welche Gedankenlabyrinthe sind schon strukturiert?):

Doch mal bei Facebook gucken, könnte ja was Wichtiges an mir vorbei gehen! Beim Schaukelstuhl wurde ich ja gestern überboten, mal sehen, ob ich einen anderen bei Ebay finde. Ach ja, ich wollte ja nach einer Kinderwiege gucken. Rattan- oder Holz-Schaukelstuhl?
Auf Kinderwiege bieten. Was kostet eine Kinderwiege sonst? Babywalz prüfen. Ist Babymarkt nicht näher? Wie fahre ich nach Buchholz? Ich beobachte den Stuhl mal. Ich könnte ja auch mal nach dem Trageding gucken. Wie hieß das noch? Mal in die Bestandsliste aller Kleidungsstücke gucken, da hab ich das aufgeschrieben. Ach dann trag ich doch auch gleich alle neu erworbenen Klamotten ein. Ist das ein Strampler oder ein Body? Hunger. Joghurt essen. Die Blumen müssten mal gegossen werden. Der Esstisch sieht schlimm aus, überall hängen Sachen von mir. Ich packe den Inhalt in den 3 Taschen der letzten Tage in meine eigentliche Haupthandtasche. So viele Kinderklamotten auf dem Tisch. Die kommen erst mal in die Spieltruhe im Kinderzimmer. Ich will jetzt endlich das Kinderzimmer einrichten. Dazu muss ich erst mal die geplanten riesigen Zootiere an die Wand malen. Dafür brauche ich den Projektor. Der hat aber ne Macke. Projektor aufschrauben und gucken, warum die Lampe nicht leuchtet. Sie leuchtet wieder. Es ist zu hell um die Zootiere an die Wand zu projizieren. Beim Umdrehen fällt mein Blick in das kläglich vernachlässigte 5. Zimmer, das noch nicht seinen Zweck gefunden hat, bis auf meine persönliche raumgroße Ablage. Ich räume tatsächlich den Sekretär auf und empfange misstrauische Blicke des Ehemanns beim Kurzbesuch aus dem Garten. Ablage, die Juli-Gehaltsabrechnung fehlt, ich könnte eigentlich gleich mal mit dem Elterngeldantrag loslegen, Ausdruck aus dem Internet: Ich glaube ich habe doch eine Diastase der Symphysis, Papiermüll wegbringen, bei den CDs fällt mein Blick auf David Bowies Ziggy Stardust Album. Bekomme Lust auf laute Musik, Ziggy landet im DVD-Spieler. Fenster zum Garten ist auf, noch misstrauischerer Ehemann erscheint erneut und schließt die Fenster, scheinbar störe ich die Aufmerksamkeit der Männer. Ich habe mir einen Nagel eingerissen, wo ist die Nagelfeile? Wieso legt mein Mann Dinge von mir an für ihn logische Orte, die nichts mit meinen logischen Orten zu tun haben? Ich sortiere Bücher und alles rund ums Baby, ein Ausriss aus einer Gartenzeitschrift verrät mir: Ich kann meine vorgezogenen Blümchen nun einpflanzen! Blumen gießen wollte ich doch! Ich gieße. Der Drachenbaum müsste mal abgestaubt werden. Über all das könnte ich eigentlich auch mal einen Blogeintrag schreiben.

19:15 Uhr. Der Grill ist an, ich kann essen kommen. Das trifft sich gut, ich hab wieder Hunger.

Ich soll mir was Wärmeres anziehen. Wo sind die Jeans? Den Klamottenhaufen wollte ich eigentlich auch noch aufräumen, die warmen Winterdecken sind auch noch drauf, das kleine Kuscheltier gehört in die Spielzeugkiste… ach ja, Jeans anziehen! Jetzt aber!