19 Mal Mozarts Wiegenlied. Ich weiß, dass Anton bisher Spieluhren einfach nur wahnsinnig aufregend fand und sie dem Schlaf nicht dienlich waren. Aber dahinter steckt mein Masterplan! Call me Lullaby-Woman!

Ich fand gestern, 10 Monate wären ein gutes Alter um mal damit anzufangen, Anton in seinem Bett einschlafen zu lassen. "Schlafen lernen" ist ein etwas missverständlicher Titel für diesen Bericht. Er müsste eigentlich "Im eigenen Bett einschlafen lernen ohne bei Papa oder Mama auf dem Bauch zu liegen" heißen. Da es aber einen Ratgeber gibt, der "Jedes Kind kann schlafen lernen" heißt, lehne ich meinen eigenen Plan daran an.

Anton schläft toll. Er schläft auf unserem Arm nach der letzten Genuss-Flasche binnen Sekunden ein. Aber eben nicht in seinem Bett. Seit er 10 Wochen alt ist, schläft er durch. So richtig durch. Nicht das "Er wacht nur noch 1 Mal pro Nacht auf"-durch. Die letzten Wochen nach dem Krankenhaus war das nun etwas anders und er hat diverse Nächte ganz oder halb in unserem Bett verbracht. Das ist jetzt wieder vorbei und ich ergreife die Chance, ihn umzugewöhnen.

 
Weil ich möchte, dass er mit Schlafengehen etwas Positives verbindet, dauert meine Umgewöhnung verdammt lange. Es gibt folgende Möglichkeiten: Schreien lassen. Das kommt einfach nicht in die Tüte. Ins Bett legen und minutenweise rausgehen. Das ist ebenfalls für mich nicht drin, denn er wird es zu Anfang nicht verstehen und weinen. Bestimmt würden diese Methoden weitaus schneller fruchten. Ich möchte ihm aber auf meine Weise beibringen, dass sein Bett toll und Schlaf etwas sehr angenehmes ist. Belächelt mich, aber ich möchte nicht, dass mein Kind sich in den Schlaf weint.

Mein erster Schritt war, ihn in seinem Zimmer auf meinem Schoß einschlafen zu lassen, statt im Wohnzimmer auf dem Sofa. Wir haben nach Abendbrot und Bettfertig-machen in seinem abgedunkelten Zimmer gesessen, der Außenwelt Gute Nacht gesagt und Bücher angesehen, bis er die Flasche wollte und promt einschlief. Auffällig war dabei, dass er seitdem immer früher Abendbrot wollte und die letzten Tage auch kein Buch mehr ansehen, sondern sofort die Flasche und somit eine halbe Stunde früher schlafen wollte. Nachteil: Bei Papa auf dem Schoß war die Spreizhaltung doch zu spagatig und somit konnte mein Mann ihn zu seinem eigenen großen Bedauern nicht mehr ins Bett bringen.

Seit gestern ist nun Schritt 2 im Gange. Den schlaftrunkenen, müdigkeits-wabbeligen Jungen nach der Flasche hinlegen und dabei zusehen, wie er schlagartig zu einem mopsfidelen und kraftstrotzendem Abenteurer mutiert. Bis er tatsächlich endlich einschläft, vergeht ca. eine Dreiviertelstunde. Ohne Weinen! Ich bin die ganze Zeit da direkt in seinem Bett. Er steht noch 100 Mal auf oder setzt sich hin, klettert über den Deckenberg, findet das alles irre komisch. Die Spieluhr gibt mir den letzten Rest, aber ich hoffe, dass er den Klang mit der Zeit mit Einschlafen verbindet. Nun liegt er da, falschrum und ohne Decke, aber dass ich ihn gleich umdrehen und zudecken werde, kriegt er eh nicht mehr mit.

Ich werde euch berichten, wie es weitergeht. Ich hoffe die erste Veränderung erringe ich in der Anzahl der Spieluhr-Züge. Sonst hab ich für immer einen Mozart-Schaden!