Während andere um diese Zeit noch vor dem Fernseher sitzen oder bereits mit oder ohne gutem Buch im Bett liegen, tut eine vorbildliche Mutter was?
Sie kocht zuckerfreie Marmelade für das Frühstück und Gemüse-Couscous für das morgige Mittagessen des Sprösslings. Sie verwandelt die blitzblanke Küche in ein Tohuwabohu. Um 23 Uhr.
Was sind schon Tageszeiten. Gut, der Rhythmus des Sohnes ist schon sehr regelmäßig. Nur findet er momentan, dass mein "Schlafen lernen"-Projekt ordentlich Gegenwind benötigt. Dafür lässt er sich einiges einfallen: ein Sprung laut "Oje, ich wachse" inklusive total überzogener Anhänglichkeit, ein Paar neue Zähne (oben links und rechts von den Schneidezähnen) und kürzlich ein 4-Tages-Fieber (über 40 Grad, Wadenwickel um 4 Uhr morgens) mit lehrbuchgerechtem Rumpf-Ausschlag als Abschluss.

Er ging über Wochen pünktlich um 7 Uhr ins Bett, die Flasche
war die Einschlafdroge, ich hatte gar keine Chance ihn wach hinzulegen, denn er
war schon im Träumeland bei 150 ml. Seit ein paar Tagen findet er schlafen
plötzlich ziemlich doof. Wieder keine Chance ihn wach hinzulegen, er schreit
sich fast ohnmächtig, möchte man meinen. Heute war es 21:30 Uhr. Daher die
gezwungenermaßen späte Marmeladenaktion. Sonst wären die aufgetauten Beeren
schlecht geworden.
Also schlaftechnisch alles beim Alten (abgesehen von der momentanen Unlust). Und so langsam sollte ich es begriffen haben: ER entscheidet. Das hat er bisher immer getan und wenn ich ihn einfach machen lasse, fahren wir beide wirklich bequemer. Denn egal, um was es ging, es kam immer von selbst. Ob es das Durchschlafen war, das eigene Zimmer, die von fester Nahrung allmählich ersetzten Flaschenmahlzeiten, die Essenszeiten, die Schlafzeiten... Anton zeigt es schon, wenn er soweit ist.

Nächsten Monat wird er 1 Jahr. Wo ist die Zeit bloß hin. Er
isst richtig normales Gemüse-Couscous mit Kokosmilch. Er probiert alles und
will alleine essen. Er übt sich derzeit im frei stehen, traut sich aber noch
nicht länger als ein paar Sekunden. Er hat einen Fahrradhelm. Er liebt sein
Bobbycar. Er erzählt und hat seine ersten gezielten Worte gewählt:
"heiß" und "Nase". Er ist total albern und lacht über sich
selbst. Er äfft mich nach, wenn ich "Nein" sage. Man kann mit ihm
umgehen, wie mit einem richtigen Kind. Er ist robust und waghalsig, verschmust
und fröhlich. Wenn er nicht gerade nölig ist, müde, gelangweilt oder empört. Er
zeigt mir immer wieder, dass ich meine Grenzen überschreiten kann und muss.
Die neuste Grenze: Er knirscht aus Spaß mit den Zähnen und ich kriege wirklich -wirklich!- die Krise!!! Vor allem in der harten Version mit Sandkisten-Sand im Mund...



Susanne zieht aufs Land. Was wie der Titel eines Pixi-Buches klingt, ist für die 29jährige vor kurzem Realität geworden: Verheiratet, die Geburt von ihrem Sohn Anton, Dorfleben... und jetzt? Über ihren Alltag zwischen Job, der Geburt und der neuen Lust auf’s Land schreibt sie in diesem Blog!
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