Was tut eine moderne 28-jährige Hamburgerin, die sich eigentlich nicht fühlt wie fast 30 bzw. wie die Art von 30, an die man früher dachte, wenn man 30-jährige gesehen hat?  Im Herzen also noch knackige 24… was tut so Eine für gewöhnlich in diesem Alter?

Cocktails trinken in Eimsbüttel? Freitags und samstags auf dem Kiez feiern? Karriere machen und Familie verschieben?

Nix da.  Sie heiratet, wird geplant schwanger und zieht auf’s Land.

Zumindest habe ich das getan.

Nun bin ich keine Hamburgerin mehr, sondern lebe in einem Dorf, für das ich mir schon vor dem Umzug eine Reihe Witze ausgedacht habe. Ein Dorf, das -wenn man freundlich ist- im Italienischen „Sterne“ bedeutet. Das -wenn man weniger freundlich ist- eher auf eine unschöne Auffälligkeit im Gesicht hindeutet. Knapp hinter Hamburg, direkt an der Elbe, eines dieser Dörfer, an denen der architektonische Charme einfach vorübergezogen ist, ohne sich zu überlegen, vielleicht doch ein wenig Flair in Form eines hübschen Marktplatzes oder historischer Bauernhäuser zu hinterlassen.

 

Nein, ich muss es leider sagen: In einem Ort wie diesem wollte ich nie wohnen! Ich komme aus einer Großgemeinde, die mir mit 26.000 Einwohnern schon damals klein vorkam. Jetzt lebe ich unter 6.000 Nachbarn, 5 Bäckern in der einzigen Hauptstraße, einem Edeka, der samstags um 16 Uhr schließt und einem Budni, der dasselbe tut.

Warum ich dennoch hier lebe? Das passiert eben, wenn ein Freund aus seiner traumhaften 130 m² Jugendstilvilla-Wohnung mit Garten auszieht und uns diese courtagefrei überlässt! 

Um die Vorteile kurz zusammenzufassen:

Zur Elbe brauch ich mit dem Fahrrad 15 Minuten, mit dem Auto 5.
Ich fahre genau wie vorher eine halbe Stunde zur Arbeit, diesmal aber bequem im ruhigen Metronom statt in miefenden Bussen und Bahnen mit 3 Mal umsteigen.
Ich habe einen Garten!
Mein Kind wird in dörflicher Umgebung aufwachsen, meine Schwiegerfamilie wohnt einen Katzensprung entfernt und der Kindergarten ist 2 Häuser weiter. Außerdem kann man hier nachts viel mehr Sterne sehen!

Wie es für mich ist, dennoch regelmäßig einen Dorfkoller zu bekommen, die Angst vor dem Versauern mit dem Kind in der Ödnis und überhaupt alles rund um meine Schwangerschaft, die Geburt und die erste Zeit mit dem Lütten… darüber halte ich euch hier ab jetzt auf dem Laufenden!